VISION

Nacht- und Clubkultur sind Kultur. Die aktuelle Zeit und die bundesweite Debatte über Clubkultur verdeutlichen die gesellschaftliche und stadtsoziologische Relevanz dieses Themenkomplexes erneut stark. Eine lebenswerte und vielfältige Stadt wird durch „Club“kultur mitgeprägt und kann ein Alleinstellungsmerkmal der Stadt sein. Die kulturelle und wirtschaftliche Bedeutung muss im „stadt“politischen Geschehen verankert werden. Die Koordinierung des Nachtlebens spielt hier eine entscheidende Rolle. Für einen Vermittler und Netzwerketablierer, einen Innovator und Repräsentant muss das Ziel stets eine Kommunikation aller Akteur:innen auf Augenhöhe sein, in welche Betreiber:innen, Besucher:innen, Künstler:innen, Nachbarschaften, Dienstleister:innen aber auch Vetreter:innen aus Stadt und Politik zu gleichen Teilen angesprochen, miteinbezogen und berücksichtigt werden. 

NACHTKULTUR

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In meinen Augen ist Nachtkultur Kultur. Um dies zu verankern, möchte ich mich für die Einordnung von Clubs und Musikspielstätten als Orte kultureller Nutzung in der Baunutzungsverordnung einsetzen. So können Clubs und Livespielstätten als Kulturorte langfristig und nachhaltig etabliert werden. Außerdem strebe ich nach der Umsetzung des "Agent-of-Change-Prinzips", welches besagt, dass es bei Neubauten in der Verantwortung der Investor:innen liegen muss, dass die zukünftigen Anwohner:innen von der Nutzung bereits bestehender Clubs und Livespielstätten nicht beeinträchtigt werden (z.B. Lärmschutz), um so Konflikte mit den späteren Nachbar:innen im Vorhinein zu vermeiden. Auch Freiflächen sollten mehr in das Nachtgeschehen eingebunden werden, um u.a. jungen Kollektiven und Künstler:innen eine Plattform zu bieten und den Nachwuchs in seinen Möglichkeiten zu unterstützen und zu etablieren. So fördert man die Nachtkultur von morgen!

NACHHALTIGKEIT

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Die "Sustainable Development Goals" der Vereinten Nationen definieren in der Agenda für 2030 17 Ziele für eine nachhaltige Entwicklung unserer Welt. Viele dieser Ziele können auch in der Nachkultur berücksichtigt werden. So spielen Antidiskriminierungsmaßnahmen, Geschlechtergerechtigkeit, Inklusion, Gesundheit und Sicherheit genauso eine Rolle wie die nachhaltige Ressourcennutzung. Hier möchte ich eine Nachhaltigkeitsstrategie gemeinsam mit allen Akteur:innen für die Nachtkultur von Stuttgart erarbeiten. Diese Strategie soll als Orientierungshilfe dienen und kann Stuttgart deutschlandweit in einer Vorreiterrolle präsentieren. 

DIVERSITY

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Kultur steht für Toleranz, Vielfalt und Offenheit. Die Nachtkultur kann beispielsweise Rückzugsort für marginalisierte Randgruppen sein und die gesellschaftliche Entwicklung und Interaktion beeinflussen. Für mich steht eine Nachtkultur ohne Eintrittsbarrieren an erster Stelle. Diskriminierung jeglicher Form darf keinen Platz finden und das Bewusstsein für dieses Thema muss stetig wachsen. In meiner Vision sind die Spielstätten in Stuttgarts Nachtleben bunt gemischt: in Größe, musikalischer Ausrichtung, und natürlich in der Vielfalt ihre Besucher:innen.

EMPOWERMENT

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In der Nachtkultur stoßen unterschiedlichste Interessensgruppen aufeinander. Feiernde, Anwohner:innen, Betreiber:innen, Arbeitende und viele mehr. Meinem Verständnis nach können Konflikte nur minimiert oder beseitigt werden, wenn all diese Interessensgruppen in den Schaffensprozess z.B. in Form "Runder Tische" eingebunden werden. So kann Verständnis entstehen und lösungsorientiert gearbeitet werden.

KONSUM UND SICHERHEIT

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Sicherheitsbehörden müssen mit den Akteur:innen der Nachtkultur zusammenarbeiten. Auch hier ist ein vorurteilsfreier Dialog besonders wichtig. Hinzu kommen Projekte, welche über Konsum informieren und aufklären.

Das Personal in den Clubs und Livespielstätten muss ausreichend geschult sein, um Diskriminierung und sexuelle Gewalt frühzeitig erkennen zu können und mit deeskalierendem Verhalten zu unterbinden. 

Der ÖPNV sollte sein Angebot auch auf die Interessen der Akteur:innen der Nacht anpassen, um einen sicheren und klimafreundlichen Transport zu gewährleisten.

FORSCHUNG

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Der Themenkomplex Nachtkultur ist eine noch junge wissenschaftliche Disziplin. Es wird in diesem Feld vergleichsweise wenig Forschung betrieben. Im Interesse der Stadt und aller Akteur:innen sollten Kooperationen mit Forschungseinrichtungen vorangetrieben werden, um einen erweiterten gesellschaftlichen und ökonomischen Wissenstand zu generieren und Handlungsempfehlungen auszusprechen.

NACHTÖKONOMIE

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Die Wertschöpfungskette der urbanen Nachtökonomie beinhaltet unterschiedlichste Unternehmen und Unternehmensformen. Sie generiert Umsatz, ist Arbeitsplatz und Zuhause für viele Menschen. Clubs und Livespielstätten, Bars und Gastronomien, sowie weitere kulturelle Angebote locken Besucher:innen aus der Stadt und dem Umland an. Hiervon profitieren viele andere Bereiche ökonomisch über die Umwegrentabilität. 
Eine vielfältige Nachtkultur steigert die Standortqualität enorm und fördert somit die Attraktivität der Stadt nicht nur bei jungen Menschen. Hiervon profitieren alle Wirtschaftszweige.

COVID-19

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First in - last out.
Auch nach der Krise sollen Clubs und Livespielstätten das Stadtbild der Landeshauptstadt Stuttgart prägen. Daher bin ich für eine Weiterführung und den Ausbau der bestehenden Corona Hilfsmaßnahmen für Clubs, Livemusikspielstätten, Dienstleister:innen und alle Soloselbständigen. Diese müssen passgenau auf die Bedürfnisse der Akteur:innen zugeschnitten werden. Damit Hilfe dort ankommt, wo Hilfe benötigt wird.

FÖRDERPROGRAMME

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Nicht nur in der aktuellen Zeit sind Förderprogramme für die Nachtkultur unabdingbar. Zur Etablierung einer nachhaltigen Nachtkultur und zum Erreichen der oben genannten Visionen sollten Förderprogramme auf kommunaler sowie auf Landes- und Bundesebene etabliert werden. Vorschläge könnten beispielsweise sein: Förderungen für Umbaumaßnahmen, Talentförderungen, Strukturförderungen für Diversität.

DAS GROßE UND GANZE

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Es ist unbedingt erforderlich, die Nachtkultur als Ganzes zu betrachten. Die einzelnen Punkte der Vision sollten als Gesamtstrategie mit kurzfristigen und langfristigen Meilensteinen von allen Interessensgruppen gemeinsam erarbeitet werden, mit dem Ziel Stuttgart langfristig als 24h Stadt zu etablieren. Hierfür ist die einmalige Doppelstelle Koordinierung Nachtleben in Stuttgart hervorragend geeignet. Gerne würde ich mit der Projektleitung der Wirtschaftsförderung und allen weiteren Akteur:innen zusammen an diesem Prozess arbeiten.